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Augen auf bei der Berufswahl bei Diabetes Typ I 

 

So nun komme ich zu einem extrem wichtigen Thema, denn immerhin geht es hier um die Zukunft als Diabetiker nach der Ära "Kindheit" und ich kann wirklich aus eigener Erfahrung sagen, ihr könnt den Diabetes einfach nicht ignorieren, wenn es darum geht, wie ihr euren Lebensunterhalt verdient.

 

Als ich ein kleines Kind war, wollte ich natürlich am liebsten den Beruf einer Mutti ergreifen. So zwei Kinder, am besten erst ein Junge und dann ein kleines niedliches Mädchen mit langen blonden Zöpfen.

 

Diesen Wunsch hatte ich aber schon ganz schnell nicht  mehr, weil ich feststellte, dass ca. 50 % aller Muttis in meinem schulischen Umfeld von ihren Vatis einfach so sitzengelassen wurden und zusehen konnten, wie sie mit den Kindern alleine fertig wurden. Meine Mutti eingeschlossen und so beschloss ich, das zu werden, was meine Mutti war - eine Krankenschwester. Nach der Schule fuhr ich ganz oft mit dem Bus nach Halle und besuchte meine Mutti im Feierabendheim, so nannte man die Altersheime zu DDR Zeiten. Dort hatte ich einige Freundschaften mit ein paar alten Damen und Herren geschlossen. Ich hatte sozusagen jede Menge Ersatz - Omis- und Opis. Ich saß dann stundenlang bei denen und sie haben mir Geschichten von früher erzählt. Das war eine tolle Zeit und ich dachte so, dass der Beruf der Krankenschwester absolut das Richtige war für mich. Immerhin bin ich damals davon ausgegangen, dass meine Arbeit nur darin bestehen würde, mich um die Omis und Opis zu kümmern, indem ich ihnen zuhörte und ihnen Gesellschaft leistete, Wie hart und anstrengend diese Arbeit tatsächlich war, bekam ich gar nicht mit.

 

Ok zurück zum Thema: Was ich damit sagen will ist, dass ihr euch einen Beruf aussuchen solltet, indem Ihr Pausen einhalten könnt, wo ihr körperlich nicht bis ans Limit gehen müsst und wo ihr vor allem abschätzen könnt, wie euer Alltag aussieht.

 

Es gibt viele Berufe, die sehr beliebt sind aber die für Diabetiker wenig geeignet sind. Du solltest dir darüber im Klaren sein, dass man mit Diabetes einfach tatsächlich nicht sehr flexibel ist. Da ändern auch die ganzen neuen modernen Hilfsmittel nichts. Denn wenn dein Blutzucker innerhalb von Sekunden abfällt und du anfängst zu zittern, macht es z.B. wenig Sinn, wenn du als Maurer auf einem hohen Dach stehst oder als Krankenschwester einem Menschen Blut abnehmen sollst. Auch beeinflusst körperlich anstrengende Arbeit deinen gesamten Stoffwechsel. Klar kannst du dich irgendwie darauf einstellen, dass du vielleicht 8 Stunden lang körperlich schwer arbeitest, indem du weniger spritzt oder mehr isst aber meiner Meinung nach ist das dauerhaft keine gute Lösung.

 

Als Diabetiker bist du genauso leistungsfähig wie ein gesunder Mensch auch aber hier kommt es darauf an, wie du mit deinem Diabetes in Kindheits- oder Jugendtagen umgegangen bist.

 

Lieber Diabetiker!

 

Wenn du in deiner Kindheit oder Jugend deinen Diabetes immer ignoriert hast und dauerhaft Werte über 200 hattest, dann muss ich dir leider sagen, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass sich irgendwann gravierende Spätfolgen einstellen werden. Meistens sind zuerst die Augen betroffen, es folgen die Missempfindungen an den Füßen und Beinen, die Taubheitsgefühle in den Extremitäten, was bedeutet, dass du zwar einen körperlich anstrengenden Beruf erlernen und in den ersten Jahren ausüben kannst aber nicht lange. Mit ständigen Schmerzen in den Beinen wirst du kaum einen Beruf ausüben können, wo du viel stehen oder laufen musst. Deshalb empfehle ich dir, wenn du tatsächlich jahrelang dich nicht gekümmert hast und Spätfolgen drohen, einen Beruf zu ergreifen, wo du körperlich relativ entspannt arbeiten kannst. Hier empfehlen sich alle Berufe, wo sich das Arbeitsleben in einem Büro abspielt.        

 

Hast du dich immer gut um deinen Diabetes gekümmert und immer relativ gute Werte gehabt, dann kannst du auch als Diabetiker dein Leben lang gesund bleiben und körperlich aktive Berufe ausüben. Dennoch solltest du dir auch hier einen Beruf aussuchen, wo du nicht in schwindelerregenden Höhen oder immer im Freien arbeiten musst. Denn mach dir deutlich, dass du zwischendurch messen, spritzen oder essen musst oder auch Situationen, wie zu niedriger oder zu hoher Zucker, die dein Bewusstsein massiv beeinträchtigen können.

 

Grundsätzlich finde ich, dass kein Unterschied zwischen Diabetikern und "Gesunden" bei der Berufswahl gemacht werden soll, zumal der Diabetiker sowohl in seinen körperlichen aber auch vor allem in den intellektuellen Belangen dem eines Gesunden in nichts nachsteht. Aber gerade in Bezug darauf, dass es einfach zu viele junge Diabetiker gibt, die mit massiven Spätfolgeschäden zu kämpfen haben, weil sie sich nicht ausreichend gekümmert haben...weil weil weil...es tut ja sooooo lange nicht weh!!! möchte ich euch dafür sensibilisieren. Die Spätschäden fangen erst an, wenn man schon einige Jahre in seinem Beruf arbeitet oder wenn es ganz dicke kommt schon sehr früh, direkt nach der Ausbildung. So habe ich vor 4 Jahren eine junge 22 - jährige Frau kennengelernt, die bereits komplett erblindet war. Ich selbst bin als kaufmännische Angestellte in einer Firma tätig, wo ich die Möglichkeit habe, mir die Pausen die ich benötige, zu nehmen und mich auch sonst sehr gut mit dem Diabetes arrangieren kann. Wichtig finde ich, dem Arbeitgeber reinen Wein einzuschenken und über die Krankheit aufzuklären. Sicherlich ist das nicht immer einfach, gerade wenn man am Anfang einer "Karriere" steht. Man hat Angst, dass der Chef oder Andere denken, dass man weniger kann oder weiß als beispielsweise "gesunde" Menschen. Da kann ich nur sagen, dass es sich durchsetzen wird, wenn du was auf dem Kasten hast. Wenn deine Arbeit nicht anerkannt wird, dann nicht, weil du durch den Diabetes nicht dazu in der Lage bist sondern dann musst du dich fragen, ob dieser Job der Richtige für dich ist oder vielleicht auch dein kollegiales Umfeld nicht stimmt.  

 

Ein anderes Thema ist der Schwerbehindertenausweis. Als Diabetiker hat man ja automatisch 50 % als Grad der Behinderung und ist somit etwas geschützt, wenn es z.B. um Kündigung geht. Ich persönlich habe erst 2006 das erste mal dieses Recht in Anspruch genommen. Warum erst so spät werdet ihr euch fragen. Weil ich bis dahin nie fertig war mit dem, was ich bisher beruflich erreicht hatte. Ich wollte mehr und etwas höher hinaus und habe immer abgewogen, was mir dieser Ausweis tatsächlich nützt oder bringt. Ihr müsst euch immer klar darüber sein, dass euch Firmen nicht einstellen werden, weil Ihr diesen Ausweis habt. Gerade in der heutigen schnellebigen Zeit, wo man sich mal schnell über Nacht ein paar Mitarbeiter entledigen muss, ist so ein Ausweis hinderlich. Denn wenn Ihr diesen Ausweis beim Arbeitgeber abgebt, seid ihr ziemlich gut geschützt aber eben erst, wenn Ihr Euren Fuß in der Firma habt. Wenn Ihr einen goldenen Löffel klaut, hilft euch dieser Ausweis und Schutz natürlich nicht, das ist klar! Als ich  mich in meiner jetzigen Firma beworben und dort zwei Jahre gearbeitet hatte, wusste ich, dass ich endlich beruflich angekommen bin und bleiben würde. Nunmehr seit fast 17 Jahre bin ich in dieser Firma und bin froh, so gewisse Sonderrechte und Sicherheiten zu haben, gerade jetzt wo ich mit so vielen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen habe. 

 

Was ich nie getan habe, mich auf meinem Diabetes ausgeruht! Ich habe ihn niemals als Vorwand für etwas benutzt, um es nicht tun zu müssen. Nein im Gegenteil ich habe immer viel mehr gearbeitet, als ich musste. Wahrscheinlich auch, um zu beweisen, dass ich es trotz Diabetes drauf habe. Auch war ich immer sehr ehrlich gegenüber meinem Arbeitgeber und heute würde niemand in meiner Firma auch nur annähernd auf die Idee kommen, ich könne was nicht wegen dem Diabetes oder ich drücke mich vor der Arbeit. Da ich immer so fleißig war in all den Jahren, wo es mir auch noch besser ging, habe ich heute das Privileg, mal kürzer treten zu können, wenn ich es brauche. 

 

Nutzt euren Diabetes niemals gegenüber eurem Arbeitgeber aus. Ihr riskiert damit das Vertrauen, was Ihr unbedingt benötigt, wenn es anfängt, weh zu tun. Dann nämlich, wenn ihr tatsächlich Sonderrechte benötigt, wie mehr Pausen oder Verständnis von Chef und Kollegen, wenn ihr längerfristig mal ausfallt. 

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