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Oje oje...der Muster - Diabetiker. Jeder kennt mindestens Einen und wer nicht zu diesen Muster - Diabetikern gehört findet sie nicht nur zum kotzen sondern käme niemals auch nur eine Sekunde auf den Gedanken, dieses vorbildliche Verhalten nachzuahmen. Im Gegenteil, ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass immer wenn ich bei irgendwelchen Diabetiker - Schulungen in Kliniken war, hinterher alles noch mehr Scheiße fand als vorher. Weil nämlich in dieser Schulungsrunde immer mindestens einer von diesen Diabetiker - Nerds saß, der nicht nur alle 5 Minuten damit prahlte, dass er dreißig Mal am Tag seinen Blutzucker misst und jedes Stück Brot mit seiner immer dabeihabenden Küchenwaage abwiegt...wenn es sein muss auch im Restaurant. Ich habe nie einen Hehl in solchen Runden gemacht, dass mir der Diabetes sowas von Scheiß egal ist und ich keinen Bock auf das ganze Gedönse habe. Die abschätzigen Blicke eines Diabetiker - Nerds muss ich hier wohl nicht beschreiben. Teilweise hat man mich regelrecht zur Sau gemacht und mich hingestellt, als wäre ich der dümmste Idiot auf der Welt, der es einfach nicht checkt. Da ich aber in meiner langjährigen Diabetiker -Karriere so viele junge Diabetiker kennen gelernt habe, die genau wie ich nie Bock hatten, sich zu kümmern, wusste bzw. weiß ich, dass es einfach nichts mit Dummheit zu tun hat. Aber was ist es dann??? Wieso kriegt man es nicht hin, sich um den Diabetes zu kümmern...vor allem wenn man weiß, was einen erwartet??? Ich vergleich es ja immer mit den Rauchern...da gibt es ja jetzt auf den Zigarettenpackungen diese ganz furchtbaren ekligen Bilder, wo einem echt übel wird...Und??? Haben die Raucher wegen diesen Bildchen aufgehört zu rauchen? Oder wenn ich im Krankenhaus bin und an der Raucherecke vorbeikomme. Wer sitzt denn da hauptsächlich??? Richtig...die Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall, amputierten Raucherbeinen und und und...

 

Ich finde es ist zu einfach zu sagen, dass diese Menschen alle bekloppt oder dumm sind. Nein vermutlich liegt es einfach daran, dass es so lange einfach nicht spürbar weh tut. Später dann, wenn das Raucherbein erstmal ab ist, kann man sagen..."ich habe ja noch ein zweites Bein.." oder "naja jetzt ist das Bein eh ab, was soll´s." Und der Diabetiker sagt sich "jo ich bin halb blind...aber eben nur halb blind!" Und wenn er dann irgendwann komplett blind ist, wird er sagen "naja jetzt brauch ich mich auch nicht mehr dran halten, jetzt bin ich eh blind."

 

Zudem glaube ich, dass Menschen mit chronischen Krankheiten besonders resilent sind...sie haben viel höhere Schmerzgrenzen und können sich leichter mit Tatsachen abfinden. Weil sie einfach schon viel aus medizinischer Sicht erlebt und mitgemacht haben. Oft waren sie in ihrem Leben Sonderlinge oder sind zumindest so behandelt worden und mussten dadurch lernen, sich trotzdem durchzusetzen und als Einzelkämpfer durch´s Leben schlagen. Das alles härtet unglaublich ab und macht Menschen sehr widerstandsfähig. Aber es birgt natürlich auch die große Gefahr, dass man ewig oder erst zu spät aufwacht. 

 

Wenn du also nicht zu den Muster - Diabetikern dieser Welt gehörst, dann glaube nicht, dass du dumm oder nicht fähig bist, dich um den Diabetes zu kümmern. Jeder Diabetiker, der nicht in der Lage ist, sich um den Diabetes zu kümmern, wird seine Gründe haben. Zum einen spielt es immer eine große Rolle, in welchem Alter ich diese Krankheit bekomme und zum anderen ist das soziale Umfeld sehr entscheidend. Wenn du z.B. Menschen um dich herum hast, die täglich ein paar Mal behaupten, dass du unausstehlich bist, seitdem du den Diabetes hast oder dass du eine Belastung für die Familie oder Freunde bist, wird es dir kaum gelingen, den Diabetes annehmen zu können und gut mit ihm und nicht gegen ihn zu leben. Ich stelle immer wieder fest, dass vor allem Eltern einen großen Anteil daran haben, wie ihre Kinder mit dem Diabetes umgehen. Je selbstverständlicher und gelassener Eltern ihr Kind erziehen und je weniger sie Verbote wegen dem Diabetes aussprechen, um so normaler und gesünder wächst dieses Kind in diese Rolle hinein. Der Diabetes wird nicht priorisiert und gehört zum normalen Leben dazu. Das ist für mich die Grundvoraussetzung, dass ein Kind relativ "normal" mit Diabetes leben kann. 

 

Aber sind wir ehrlich, wieviele Familien gibt es, wo die Eltern nicht durchdrehen, wenn die Diagnose Diabetes festgestellt wird. Heute ist man insgesamt fortschrittlicher und erzählt den jungen Menschen nicht mehr diese Ammenmärchen, dass man z.B. nicht alt wird und spätestens mit 40 an der Dialyse hängt oder bereits die dritte Lebertransplantation hinter sich hat. Von den anderen Schauermärchen ganz zu schweigen. Ich persönlich hoffe ja, dass es irgendwann mal aus den Köpfen der Menschen verschwindet, dass sie zu einem sagen "Hach wie schlimm, dass sie Diabetes haben, da dürfen sie ja überhaupt keine Süßigkeiten essen." Das ist der größte Bullshit aller Zeiten und ich ertappe mich heute noch, dass ich keine Süßigkeiten vor bestimmten Menschen esse, weil ich einfach keinen Bock darauf habe, erklären zu müssen, dass normaler Zucker heutzutage zum Leben eines Diabetikers dazu gehört. 

 

Zurück zum Diabetiker - Nerd, dem Muster - Diabetiker. Herzlichen Glückwunsch, wenn du so einer bist und das meine ich ernst. Du hast einfach riesiges Glück gehabt, dass du mit deinem Diabetes genau der Mensch sein durftest, der du immer schon gewesen bist. Und...bitte kümmere dich weiterhin so inbrünstig um deinen Diabetes...ich bin die Letzte, die das nicht respektiert...aber bitte behandle nicht Andere, die sich nicht kümmern, wie die letzten Idioten und stelle dich zwanzig Meter über sie. Respektiere ihre Entscheidung, sich nicht kümmern zu können oder zu wollen, wie sie dich mit deiner Küchenwaage respektieren. Jeder hat das Recht, so zu leben, wie er leben will und du als Muster - Diabetiker bist nicht besser oder schlechter als der Diabetiker, der sich nicht kümmert. Ich hatte z.B. nicht das Glück, die Susanne sein zu dürfen, die ich war, als ich Diabetes bekam. Ok ehrlich gesagt bin ich mir noch nicht mal sicher, ob ich bei besten Voraussetzungen tatsächlich ein Diabetiker - Nerd hätte sein wollen. Ich glaube eher nicht, denn ich gehöre einfach irgendwie auch von Natur aus zu der Sorte "Rebellen". Sich manchen Gesetzen stur anzupassen, die für mich fernab von Leben, Lust und Laune sind, war noch nie mein Ding. Heute kümmere ich mich um den Diabetes aus meiner Überzeugung heraus. Weil ich inzwischen bei mir angekommen bin und festgestellt habe, wie einfach es sein kann, sich um den Diabetes zu kümmern. Aber dazu musste ich erst all den ganzen Scheiß bekommen...denn seit ich nicht mehr laufen kann, habe ich viel Zeit zum Nachdenken und vor allem Zeit, um endlich mal zur Ruhe zu kommen. Früher war ich unendlich rastlos und musste immer etwas tun. Dass, was ich schon seit der Pupertät gesucht habe, nämlich meine wahre Identität, habe ich erst jetzt gefunden...und das war weiß Gott kein Zufall...sondern es ist ein Prozess. Und dieser Prozess wird durch Impulse losgetreten...bei mir brauchte es eben ein paar Imulse mehr und härterer Art. 

 

Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es niemals für nichts zu spät ist. Egal, was passiert, es wird immer ein "Weiter" geben und ich werde in jede Rolle hineinwachsen. Inzwischen bin ich rein von der körperlichen und äußeren Hülle her sehr sehr steif und unbeweglich aber das ist nicht schlimm, weil viel entscheidender ist, wie es in dir innen aussieht. Und da sieht es bei mir richtig fluffig und beweglich aus. Mein Körper ist Stakkato aber meine Seele und mein Herz sind absoluter Flow. 

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