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Der Diabetiker auf Reisen

 

Juhu mein Lieblingsthema...ich liebe es, durch die Welt zu reisen, muss aber gestehen, dass es mich oft im Vorfeld tierisch stresst, weil man nie weiß, was einen insbesondere beim Zoll am Flughafen erwartet. So bin ich in London schonmal fast verhaftet worden, weil man dachte, meine Insulinpumpe sei eine Bombe und ich eine Attentäterin, die halb London in die Luft jagen wolle. Das ist aber zugegebenermaßen bereits 16 Jahre her! Erst nachdem man die deutsche Botschaft eingeschaltet hatte und die Menschen am Zoll aufgeklärt wurden, dass es sich um eine Insulinpumpe handelt, durfte ich doch noch mit meinem Sprengstoffgürtel in Spe ausreisen. Auch gab es immer wieder mal Probleme mit Blutzuckermessgeräten oder mit Spritzen im Handgepäck. Heute passiert das nur noch sehr selten, weil das Personal recht gut geschult ist und auch die übereifrigen Robin Hoods mit guten Argumenten zu überzeugen sind. Aber dennoch empfehle ich dringend, vor jeder Auslandsreise eine Bescheinigung vom Diabetologen über die gesamten notwendigen Hilfsmittel ausstellen zu lassen. Was die meisten vergessen aufschreiben zu lassen ist ein zuckerhaltiges Getränk. Da kannst du dem Menschen am Zoll 10x erklären, dass du dringend eine Capri Sonne oder was anderes Süßes mitnehmen musst im Falle einer Unterzuckerung. Da lassen die einfach nicht mit sich reden. Lasst es euch direkt vom Arzt auf die Liste setzen und fertig ist der Lack. Was ihr auf jeden Fall bei einer Flugreise mitnehmen solltet, sind ein paar Kekse, Schokolade oder irgend etwas, was man gut mal schnell zwischendurch essen kann. Denn wir haben es bereits erlebt, dass wir statt geplanter 3 Stunden fast 8 Stunden im Flieger verbracht haben und nichts zu essen hatten. Zwar muss man mit dem heutigen modernen Basis - Bolus - Prinzip nicht mehr unbedingt was essen aber dennoch ist es stoffwechselmäßig ungünstig, gar nichts zu essen, da man als Diabetiker häuftig dazu neigt, das sogenannte Hungeraceton zu entwickeln, was mit einer Übersäuerung einhergeht. Der Blutzucker steigt dann an, obwohl man gar nichts gegessen hat. Und wie heißt es immer "Nur ein übersäuerter Körper kann krank werden". Schlimmstenfalls kann eine Ketoazedose drohen mit schwerwiegenden komatösen Folgen. 

 

Wenn Ihr verreist, denkt bitte daran, dass immer etwas dazwischen kommen und eure Anreise völlig anders als geplant verlaufen kann. Zum einen von der Dauer her und zum anderen können die unglaublichsten Dinge passieren. Macht euch vor eurer Reise immer klar, was das Wichtigste auf einer Reise ist. Insulin!!! Denn ohne Insulin wisst ihr könnt ihr nicht leben oder zumindest nur eine begrenzte Zeit. Wenn Ihr mit Pen oder Spritzen das Insulin injiziert, packt immer mindestens zwei Ersatzampullen ein und mehrere Ersatznadeln. Bedenkt, dass die kleinen feinen modernen Nadeln den Nachteil haben, dass sie innerhalb von ein paar Stunden verstopfen können und nicht mehr nutzbar sind. Die Insulinampulle, die vielleicht in Deinem Rucksack verstaut ist, kann kaputt gehen, deshalb halten wir es immer so, dass wir alle notwendigen Medikamente und Hilfsmittel vier- und fünffach an verschiedenen Stellen deponieren. Und hey wer hier den Finger hebt und sagt "Aber das Insulin muss in den Kühlschrank!!!" Grundsätzlich stimmt das aber Ihr sollt die Pens, Spritzen und Insulinampullen ja nur während der Reise in der Tasche lassen. Sobald ihr im Hotel seid, könnt ihr das Insulin sofort in den Kühlschrank packen. Ihr müsst einfach abwiegen, was wichtiger ist. Wenn ihr unterwegs nämlich aus welchen Gründen auch immer keinen funktionierenden Pen, Spritze, Pumpe oder sonstwas habt, nützt es euch absolut üüüüüberhaupt nichts, schön gekühltes Insulin zuhause im Kühlschrank zu haben!!!

 

Ansonsten empfehle ich unbedingt einen ausländischen Krankenschutz, z.B. über den ADAC. Sollte euch irgend etwas im Ausland passieren, habt ihr immer das Recht auf eine sofortige gute ärztliche Versorgung und Ihr werdet im Notfall vom ADAC ausgeflogen. Diese Absicherung kostet echt nicht die Welt und Muttis und Vatis bekommen sogar einen Ehebonus.

 

Wenn Ihr zu den Diabetikern gehört, die ganz vorbildlich nur mit ihrer Küchenwaage verreisen und jedes Miligramm Kohlenhydrate abwiegen, dann gebt bitte bereits bei der Buchung eurer Reise an, dass ihr Diabetiker seid. Hier kann sich die Küche notfalls darauf vorbereiten, auf deine Ernährung Rücksicht zu nehmen und gesonderte Speisen zubereiten. Viele Hotels bieten das in ihrem Service inzwischen an. 

 

Ansonsten würde ich sagen, kannst du als Diabetiker deinen Urlaub genauso schön erleben, wie jeder gesunde Mensch. 

 

Ich sag mir bei jeder Reise immer "Das Wichtigste ist mein Insulin und die Dinge, womit ich mir das Insulin injeziere. Und immer was Süßes in der Tasche und/oder ein Glukagon-Set (Notfallzuckerspritze), falls der Zucker absackt".

 

Falls Ihr zu den Diabetikern gehört, die bereits massive Spätfolgen haben und auf einen Rollator, Rollstuhl...angewiesen sind, verweise ich auf meine Extra Seite "Reisen mit Rolli". Dort findet ihr Tipps rund um Reise mit Behinderung. 

 

 

 

 

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