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So jetzt wird es süß!

 

Auf dieser Seite beschäftige ich mich nämlich mal mit einer Sache, die mich selbst betrifft...Diabetes!

 

Bisher habe ich es unbedingt vermieden, darüber zu schreiben oder diesem Thema gar eine ganze Seite zu widmen. 

 

Warum???

 

Na weil Diabetes die so ziemlich uncoolste Krankheit ist, die man sich vorstellen kann. Vor allem, wenn man sie als pubertierender Teenager bekommt. Viele behaupten immer, Diabetes sei gar keine Krankheit, weil man super damit zurechtkommt, wenn man sich an gewisse Regeln hält. Finde ich überhaupt nicht, denn es ist ein 24 Stunden - Job und Regeln hin oder her, Fakt ist, dein Körper braucht lebenslang das Medikament Insulin, du musst zig mal am Tag Blutzucker messen und es warten jede Menge unangenehmer Begleiterscheinungen auf dich, die alles Andere sind als Zuckerschlecken. 

 

Diabetes ist sehr wohl eine KRANKHEIT und wer das Gegenteil behauptet, dem ist entweder bisher nicht die Süße des Lebens in dieser Form vergangen oder aber er hat sie bisher schlichtweg ignoriert. 

 

Mir ist die Süße des Lebens wohl mit 12 Jahren vergangen, denn da hab ich mir diesen Quatsch ausgesucht. Ich war kurz davor, ins Märchenschloss namens Pubertät zu wechseln. Bevor man bei mir festgestellt hat, dass ich wohl an Diabetes Mellitus erkrankt bin, was zu deutsch bedeutet honigsüßer Fluss, nahm ich kiloweise ab, wobei ich vorher bereits spindeldürr war, ich kippte oft um, zitterte manchmal wie Hulle und soff wie ein Loch. Manchmal bis zu 15 Liter am Tag und selbst während des Trinkens hatte ich das Gefühl jämmerlich zu verdursten. Das Wichtigste war eine Toilette immer in unmittelbarer Nähe und nun denkt man als Erstes, na logo, die 15 Liter  müssen ja auch irgendwie wieder raus. Dabei ist es aber genau umgekehrt, erst rennst du zig mal auf Toilette, weil der hohe Anteil des Zuckers im Blut dem Körper die komplette Flüssigkeit entzieht und anschließend hängst du wie eine Irre am Wasserhahn oder trinkst einfach alles, was du bekommen kannst. Bei mir war es so, dass mir Wasser irgendwie kaum geholfen hat. Ich brauchte immer was mit Geschmack und unbedingt Kohlensäure, also Limo oder am besten Muttis Malzbier. Das hat alles natürlich noch schlimmer gemacht, weil sich dadurch der Blutzuckerspiegel noch mehr erhöht hat. Letztendlich wird aber der Diabetes meistens erst so überhaupt bemerkt, da sich der Blutzuckerspiegel durch die vielen süßen Getränke kaum noch senkt. Also hey liebe Muttis und Vatis, wenn euer Kind plötzlich viel zu viel trinkt, nicht gleich in Panik verfallen sondern erstmal beobachten

 

1. Geht das Kind erst auf die Toilette und trinkt irre viel 

 

oder 

 

2. Trinkt das Kind viel und geht danach auf die Toilette. 

 

Bei 1. sollten natürlich eure Alarmglocken losgehen und das möglichst schnell. Wartet nicht zulange, denn irgendwann gerät das Kind in lebensbedrohliche Zustände und das kann böse enden!

 

Bei 2. LOCKER BLEIBEN!!!!! Vielleicht ist es einfach nur Sommer und warm oder euer Kind hat viel Sport gemacht und geschwitzt...

 

Meine erste Spritze bekam ich also mit 12 Jahren und 126 Tagen am 09. September 1983. Beim Anblick dieser Glasspritze mit der 12 mm langen Metallkanüle bekam ich logischer Weise Panik und statt mich erstmal zu beruhigen, rammte man mir das Teil einfach in meinen ausgemerkelten dünnen Kinder - Oberschenkel. Anschließend gab es so tröstende Worte wie "na siehste tat doch gar nicht weh und alles schon vorbei!" Meine Tränen und den Schmerz behielt ich für mich aber gefühlt bin ich bei jeder Spritze, die ich seitdem 3x am Tag bekam ein bischen gestorben. 

 

Aber keine Sorge lieber Diabetiker, liebe Muttis und Vatis, heute ist das alles gaaaaanz anders. Die Kanülen sind grade mal noch 5 mm lang und so dünn, dass man sie echt kaum noch spürt. Zudem gibt es auch noch andere super neue Hilfsmittel, wie z.B. Insulinpumpen, wo man nur noch alle paar Tage eine Nadel setzen muss, die stelle ich euch aber noch näher auf den weiteren Seiten vor.  

 

Aber das Spritzen und das regelmäßige Kontrollieren des Urinzuckers mittels eines kleinen Röhrchens, einer klitzekleinen Kugel und einem Bunsenbrenner, der Verzicht auf Süßigkeiten und auf so ziemlich alles, was Spaß machte, waren nur die eine Seite. Viel schlimmer empfand ich, dass ich von heute auf morgen nicht mehr das Mädchen sein durfte, was ich war. Spontan, aufgeweckt, aktiv...Alles, was mir irgendwie Freude bereitete, durfte ich von nun an nicht mehr. Meine Mutti hatte solche Angst davor, dass irgend etwas wegen dem Diabetes passieren könnte, dass sie nicht mal merkte, dass ich mit 12 lieber sterben wollte, als mit diesem Mist zu leben. Meinen ersten Selbstmordversuch unternahm ich tatsächlich mit einem Zitronenbonbon. Die Ärzte haben mir immer gesagt, dass ich keine zuckerhaltigen Sachen essen darf, weil ich sonst sterben müsse. Das habe ich natürlich geglaubt bis zu dem Tag, als dieses bis oben hin gefüllte Glas mit Zitronenbonbons vor mir stand. Anfangs konnte ich gut widerstehen aber irgendwann schrien die Bonbons immer lauter "Nasch mich, nasch mich!" Ich aß also einen einzigen Bonbon und legte mich ins Bett mit dem Gedanken, dass es mir egal war, dass ich nun schon mit 12 Jahren sterben müsse. Als ich da so im Bett mit gefalteten Händen lag und merkte, dass sich einfach nicht sterben wollte, fing mein Gehirnapparillo an zu rattern. "Mooooooment mal, wegen einem einzigen Bonbon sollst du sterben????" Nicht mit mir und so aß ich das halbe Glas und zudem alles, was ich im Schrank meiner Mutti an Süßigkeiten finden konnte. Dann legte ich mich ins Bett und wartete...auf den Tod. Mir wurde übel und ich habe mir die Seele aus dem Leib gekotzt bis...dunkel...finster...Na logo hab ich das überlebt...sonst würde ich ja hier auch nicht schreiben...aber das merkte ich ersten einen Tag später nach einem Überzuckerungskoma, was mir fast das Leben gekostet hat. Aber eben nur fast!!! Aber wie makaber, dass ich anfangs bereit war, mein Leben für einen einzigen Zitronenbonbon herzugeben. 

 

Also liebe Muttis und Vatis!

 

Bitte keine Märchen, von wegen dass man stirbt, wenn man gesüßte Sachen nascht. Hätte ich gewusst, dass man nicht von einem Bonbon stirbt, hätte ich einen oder vielleicht zwei von den Dingern gegessen und nicht das halbe Glas. Dass man keine "normalen" Süßigkeiten essen darf, ist ein Ammenmärchen, man muss eben nur die Gesetze der Wirkung von Zucker auf den Stoffwechsel kennen und dann entsprechend handeln.  

 

Ja und dann war da noch die Schule, keiner wusste eigentlich, was es eigentlich mit dieser Krankheit auf sich hat. Deshalb waren alle überfordert...Lehrer...Kinder...Eltern der Kinder...meine Mutti...ich...Und was ist das Einfachste, wenn man mit etwas nicht klar kommt, weil man es nicht versteht oder verstehen will??? Richtig...weg damit! Man manipulierte mich, indem man mir einfach Fünfen ins Klassenbuch eintrug und doofer Weise sogar an Tagen, wo ich noch nicht mal in der Schule war. So eröffneten sich die Lehrer die Möglichkeit, mich in eine Schule für geistig behinderte Kinder abzuschieben. Ich musste zum Idiotentest und sollte rote, blaue, gelbe Dreicke, Vierecke...in die entsprechenden Vorrichtungen werfen. Das war mir aber zu blöd und so bin ich mal kurzerhand ausgerastet und habe das Zimmer komplett verwüstet, indem ich die Stühle, Tische und alles in dem Raum Befindliche durch die Gegend geworfen hatte. Ui ui ui da war nüscht mehr mit der lustigen und lieben Susanne. Aus Susanne wurde ein wütender Orkan mit Bärenkräften und da ich wusste, dass ich keine Idiotin bin, war ich bereit zum Kämpfen. Letztendlich ist es meiner Mutti mit viel Vitamin B gelungen, dass ich an der "normalen" Schule bleiben durfte. Plötzlich hatte ich von heute auf morgen neue Lehrer und alle waren ziemlich nett. Na klar ging das alles nicht mit rechten Dingen zu, wie auch zu Ostzeiten aber ganz ehrlich, das war mir egal. Ich musste mich zu diesem Zeitpunkt einfach nur retten, egal wie!!!

 

So vielleicht fragt ihr euch, warum ich euch das eigentlich alles erzähle. 

 

Zum einen versuche ich zu erklären, wieso ich mit 49 bereits 5 Jahre im Rollstuhl sitze und mit derartigen Spätfolgen zu kämpfen habe, die davon rühren, dass ich mich 36 Jahre lang nicht um den Diabetes geschert habe. Dass ich bis auf die letzten zwei Jahre diese Krankheit komplett ignoriert und sie sogar dazu benutzt habe, um beispielsweise schlank zu bleiben. Ja...Diabetes macht fett...weil Insulin ein Masthormon ist, was z.B. in der Rinder- und Schweinezucht eingesetzt wird, damit die Schweinchen richtig schön viel Fett ansetzen...so noch Fragen??? Und weil ein dauerhaft hoher Blutzucker das Eindringen und Einlagern von Fett in die Fettzellen verhindert, bleibt man schön schlank und kann alles und so viel essen wie man will. Nachdem ich also schon diesen Scheiß Diabetes hatte, wollte ich nicht auch noch das! ...fett werden, auch wollte ich spontan sein und so normal wie jeder Andere auch. Ich wollte leben, feiern, tanzen, essen, trinken...ich wollte mich nicht um so was wie den fucking Diabetes kümmern und vor allem wollte ich gesund sein und keine Extrawurst, die ich als Kind immer war. 

 

Ob ich es bereue, mich bis vor zwei Jahren nie um den Diabetes gekümmert zu haben?

 

NEIN!!! Ich habe mein Leben so gelebt, wie ich es nur leben konnte und es mir überhaupt möglich war. Alles, was ich getan oder nicht getan habe, war eine logische Konsequenz aus dem, was ich in die Wiege gelegt bekam oder was ich für Erfahrungen als Kind, insbesondere im Umgang mit dem Diabetes, gemacht habe. Denn...wenn ich es gekonnt hätte...hätte ich es getan. Ja...und vielleicht wäre ich heute noch kerngesund aber wer weiß das schon??? Manchmal denke ich, dass ich es wenigstens hätte ausprobieren sollen, wie es ist, den Diabetes anzunehmen und sich zu kümmern...um zu merken...wie verdammt einfach es eigentlich ist...auch mit dem schlank bleiben. Aber es war einfach nicht reif...es war noch nicht an der Zeit für mich!

 

ABER!!! 

 

Ich möchte dennoch nichts unversucht lassen, mit meiner Seite aufzuklären. Junge Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche und auch deren Eltern zu berichten, was es mit Einem macht...wenn man nicht mehr sein darf, wer man ist..."nur" wegen Diabetes. 

 

Diabetes ist ein hinterhältiges Schwein...es tut einfach nicht weh. Es wiegt dich jahrzehntelang in Sicherheit und lässt dich glauben, dass du gesund und wie jeder Andere auch bist. Bis es...

 

...ja bis es zuschlägt...

...leider ist es dann zu spät...

...denn die diabetischen Spätfolgen sind nicht reparabel...

 

Auf diesen Seiten will ich zeigen, dass ein Leben mit Diabetes funktionieren kann...für mich ist es vielleicht zu spät, wenn es darum geht, die Spätschäden wieder rückgängig zu machen...aber ich kann meinen Zustand halten und wie es mein Leitspruch sagt...es sind nicht unsere Füße, die bewegen sondern unsere Gedanken! 

 

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